Ladenschluss

Hannover, im Oktober 2019

 

Liebe Kunden, liebe Freunde,

liebe Partner und Weggefährten ---

 

--- heute möchten wir euch mitteilen, dass wir die Jürgen Metzger GmbH aufgeben werden. Unsere Blasinstrumentenwerkstatt bleibt weiter bestehen! Wir gehen damit also zurück zu unseren Wurzeln in der kleinen Werkstatt von vor über 50 Jahren, mit der Jürgen und Inge Metzger damals ihr erfolgreiches Unternehmen begannen. Traurigerweise sind wir dabei in guter Gesellschaft: in den letzten zwölf Monaten haben allein in unserem Netzwerk vier sehr gut am Markt etablierte Musikgeschäfte ihre Türen geschlossen! Das hat uns den Schlussstrich nicht eben leichter gemacht, spiegelt aber leider den allgemeinen Abwärtstrend der inhabergeführten Fachgeschäfte wider.

 

Auf keinen Fall möchten wir einfach wortlos verschwinden, sondern schreiben euch diesen langen Brief, um uns zuerst bei euch allen sehr herzlich zu bedanken:

Danke für eure Unterstützung, für die stets freundlichen, beiderseitig erfolgreichen Geschäfte mit euch und danke fürs Warten, wenn es bei uns samstags mal wieder rappelvoll war! Danke für die Weiterempfehlungen an eure Vereinskameraden, für die vielen Aufträge in unserer Werkstatt, für die Zeit, die ihr extra mit euren Schülern hier bei uns verbracht habt! Danke für eure lieben, aufmunternden Worte in wirtschaftlich schweren Zeiten, für euer immer wieder erneuertes JA zum kleinen Fachgeschäft vor Ort!

 

 

Kaum zu glauben, dass all das nicht ausreicht, um unsere Existenz zu sichern. Sicher hat jede Geschäftsaufgabe ihre eigene Geschichte, aber letztlich gibt es eine Gemeinsamkeit für alle: wir müssen von unserem Betrieb auch leben können! Unsere Branchenkollegen, die vor einigen Monaten ebenfalls ihr Geschäft aufgaben, haben jene Beweggründe in richtig gute, ehrliche Worte gefasst, die wir euch im Namen aller Fachgeschäfte wärmstens ans Herz legen möchten:

 

·         Tatsache ist, dass die Preise, die ihr in unserem Geschäft bezahlt, durch das Internet diktiert werden, wobei es schon längst nicht mehr nur um den Preis der Ware geht sondern z.B. auch um die Versandkosten (inzwischen wird auch von uns als Kleinbetrieb nicht nur kostenloser Versand erwartet, sondern auch kostenlose Retouren). Aber nicht alle Anbieter im Internet spielen mit den gleichen Spielregeln: wir müssen uns mit Unternehmen messen lassen, die ihre Steuern nicht in Deutschland bezahlen, die nicht mit Fachkräften arbeiten und die diese Arbeitnehmer oft nicht tarifgemäß entlohnen.

 

·         Weil das Netz die Preise festschreibt, wird unser Verdienst nur noch über den Einkaufspreis bestimmt. Als kleines mittelständisches Unternehmen können wir

nicht mit der Lagerhaltung von Mitbewerbern konkurrieren, die Hochregallager pflegen, containerweise aus Fernost importieren oder bei Mengenrabatten immer den besten Einkaufspreis nutzen können. Dazu werden auch noch stetig die Versandkosten erhöht, Versandfreigrenzen ebenfalls - oder sie werden gleich ganz gestrichen. Und selbst, wenn wir all das bewältigen könnten: teils beliefern Lieferanten unsere potentiellen Kunden sogar schon direkt. Wie sollen wir dabei mithalten können?

 

·         Trotz jahrelanger, guter Zusammenarbeit müssen Schulen und andere Institutionen Angebote einholen und dann das günstigste nutzen – Service, Beratung, aber auch Vertrauen finden in diesem Vergabesystem keinen Platz. Und nicht zu vergessen: allein der Aufwand für die Erstellung eines Angebots, ob man den Zuschlag nun bekommt oder nicht, ist groß und übersteigt nicht selten schon die Gewinnspanne.

 

·         Und zuletzt gilt auch für uns: immer mehr Richtlinien, immer mehr Auflagen, immer mehr Gesetze, die dazu führen, dass Arbeiten erledigt werden müssen, die Zeit und damit Geld kosten oder noch schlimmer, die Beauftragung von Rechtsanwälten o.a. Berufsgruppen erfordern, um nicht abgemahnt oder angezeigt zu werden (Stichworte: Datenschutzgrundverordnung, Einfuhrbeschränkungen (CITES) usw. ). Wir müssen diese im gleichen Umfang erledigen wie große Unternehmen oder gar weltumspannende Konzerne, deren große Rechts- und Finanzabteilungen das eben mal mit erledigen, während es für uns aber meist einen riesigen Aufwand bedeutet. Die Kostenseite ist immer schwerer planbar. Wie in vielen anderen Branchen geht die Zeit, die in Administration verbrannt wird, der fachlichen Arbeit verloren.

 

 

Wir haben euch immer von Herzen gern beraten, haben für euch recherchiert, ausprobiert, gesucht – aber leider mehr und mehr nur für die kleinen Dinge, die viel Fachwissen und vor allem viel Auswahl vor Ort voraussetzen. Inzwischen heißt es auch bei uns immer häufiger: „Ich habe mir im Internet ein Saxophon bestellt.“ und bei der Suche nach einem passenden, nackenschonenden Tragegurt dafür möchte man dann von uns im Fachhandel beraten werden. Statt eines Instrumentes für ein-, zwei-, oder fünftausend Euro verkaufen wir also letztendlich nur einen Gurt für dreißig Euro, haben uns aber dennoch viel Zeit für den Kunden genommen, und das auch mit ebenso viel Freude. Und die Realität zeigt deutlich, dass wir vom beratungsintensiven Verkauf von Tragegurten, Mundstücken, Blattschrauben, … einfach nicht überleben können.

 

Uns war es sehr wichtig, aus eigener Entscheidung heraus diesen Schritt zu gehen, wenngleich es sehr schweren Herzens geschieht. Ein großer Trost ist es deshalb für uns, dass unsere Werkstatt bestehen bleibt und euch mit Reparaturen und Service auch zukünftig begleiten wird. Unsere Kollegen werden also fortführen können, was wir euch gern weiterhin geboten hätten: Beratung, Fachwissen, Zuverlässigkeit und Vertrauen. Die Hausmannstraße 14 bleibt also nach wie vor eine Anlaufstelle für alle Fragen und Wünsche rund um eure Blasinstrumente.

 

 

Ein herzliches Dankeschön an euch alle - es war uns eine überaus große Freude!

 

 

 

Euer Team der Jürgen Metzger GmbH

 

 

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