Das Betriebsmädchen übergibt sich

 

 

Liebe Kunden, liebe Freunde, liebe Musiker – liebe Leser!

 

Letzte Woche war es wieder einmal so weit: in ein paar ruhigen Momenten des frühen Metzgernachmittags konnte man sehr schön verfolgen, wie eine eigentlich ganz arglose Bemerkung eines Kollegen innerhalb weniger Sätze mustergültig außer Kontrolle geriet. Ein Szenario also, das fast täglich in unserer Werkstatt stattfindet - hier in Deutschland, mitten unter uns, unbemerkt von Millionen. Und dabei hatte Kollege eins sich ganz bestimmt nichts dabei gedacht, als er folgenden, kürzlich aufgeschnappten Kalauer sofort ungefiltert zum Besten gab. Sie kennen ihn bestimmt: „Wenn man Buchstabensuppe erbricht – ist das dann gebrochenes Deutsch?“ Haha. Hamwa gelacht. In unserer Werkstatt hatte dieser nicht weiter bemerkenswerte Witz allerdings gleich mehrere Eskalationsstufen:

 

Es begann mit folgendem Gedanken von Kollege zwei, der reflexartig sämtliche Möglichkeiten von anerkennender Erheiterung verweigerte und stattdessen einwarf: „Was ist denn, wenn man in Deutschland Buchstabensuppe isst, dann nach England fährt und dort alles ausspuckt – ist das dann immer noch gebrochenes Deutsch?“ Hierauf konnte Kollege eins noch augenzwinkernd grinsen – er nun wieder – während ich an dieser Stelle besser so schlau gewesen wäre, mich dieser Unterhaltung ab jetzt vollständig zu enthalten. War ich aber nicht. Weshalb ich den Faden weiterspann: „Wenn man als Engländer deutsche Buchstabensuppe isst – in welcher Sprache übergibt man sich dann überhaupt?“ Anerkennendes Nicken bei Kollege zwei, fassungsloser Blick bei Kollege eins, der diesen ganzen Alptraum nicht hatte kommen sehen und sich offensichtlich sehnlichst in eine andere Werkstatt wünschte – ein besserer Ort als dieser, an dem man sich einfach nur ab und zu mal einen Witz erzählte und im Anschluss darüber lachte.

 

Als er sich jedoch nach intensiver Diskussion widerwillig mit mir darauf geeinigt hatte, dass nur die Beschriftungssprache der Suppenpackung wirklichen Aufschluss darüber geben könne, welche Sprache das später zu Erbrechende haben würde – „Buchstabensuppe“ ergäbe deutschen Auswurf, „alphabet soup“ englischen – warf  Kollege zwei allerdings folgerichtig ein, dass nicht unbedingt jede deutsch beschriftete Packung auch in Deutschland produzierte Buchstaben enthalten müsse. Was, wenn sie stattdessen aus Tschechien kämen? Aus Nicaragua? Aus Saudi-Arabien? Dann würden wir die Buchstaben im Anschluss schlimmstenfalls nicht einmal mehr lesen können! Tja, Und was nun? Jetzt würden wir uns für immer und alle Zeit im Kreis drehen. Glücklicherweise gibt es in ausnahmslos jeder dieser wild ausufernden Diskussionen irgendwann einen Zeitpunkt, an dem bei mindestens einem Teilnehmer eine argumentative Müdigkeit eintritt. Dann wird mit einem verächtlichen Ausatmen oder resignierten Schulterzucken vorsichtig die eigene Kapitulation signalisiert und das Wortgefecht beigelegt und schwelt fortan weiter unter der Oberfläche. Denn wir wissen alle: so richtig sicher vor übergriffiger Wortklauberei ist in unserer Werkstatt niemand. Wirklich niemand! Leider noch nicht einmal Sie...

 

Es grüßt Sie herzlich

 

Ihr Betriebsmädchen

 

 

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