Das Betriebsmädchen glitzert

 

 

Liebe Kunden, liebe Freunde, liebe Musiker – liebe Leser!

 

Es begab sich eines Morgens im frühen Januar. Während die Welt draußen noch in winterlicher Dunkelheit schlummerte, hielten die Kollegen und ich bei unserer Ankunft in der Werkstatt ein kurzes Begrüßungsschwätzchen, als wir den Chef von oben aus seinem Büro die Treppe herunterkommen hörten. Unmittelbar hinter uns wartete er dann und lauschte den letzten Gesprächsfetzen, während wir gerade den Weg Richtung Mitarbeiterspind einschlugen. Und so  sahen wir den Chef dort stehen --- im Durchgang --- lächelnd --- und --- ich schwöre es!!! ---  glitzernd! Ja, glitzernd! Unser Chef, so wahr er dort stand, glitzerte! Auf seinem langärmligen, dunklen Diensthemd lag ein feiner, aber deutlich sichtbarer Glitzerstaub. Verblüffte Blicke im ganzen Team, mit der von Sekunde zu Sekunde zunehmenden Tendenz, peinlich berührt zu sein. Was war da los? Musste ihm einer mal was sagen? Oder war das etwa gewollt? Dass der Chef uns weiterhin unerschütterlich grinsend gegenüberstand, entweder aus bizarrem Stolz oder entsetzlicher Ahnungslosigkeit, macht das Ganze nicht besser. Wer sagt's ihm, Leute? Hm? Wer sagt ihm, dass das erstens so nicht geht und zweitens auch ein bisschen behämmert aussieht? Na, los – wer?! Nachdem von den betreten zu Boden blickenden Kollegen wenig Hilfe zu erwarten war, wagte ich schließlich eine besonders gewiefte Fragetaktik: „Ähm, Chef - sag' mal... glitzerst du?“ Totenstille. Das, was nun in seinem Gesicht stattfand, muss eine heftige Variante des oft zitierten ersterbenden Lächelns gewesen sein. Und anschließend, sich von oben bis unten mit immer hektischer werdenden Blicken betrachtend und um sich selbst drehend, erkannte er das ganze Ausmaß seines schillernden Outfits, erbarmungslos vom Licht der Neonröhren zum Funkeln gebracht wie eine Lamettatanne der späten Siebziger. Breites Grinsen nun im Kollegenkreis. Dass der skurrile Aufzug am heutigen Morgen offensichtlich unabsichtlich geschah, konnte nur als sensationell bezeichnet werden und versprach eine Menge Kalauer und Seitenhiebe den ganzen, langen Arbeitstag über – selbstverständlich mit der gebotenen Zurückhaltung ob der chefgegebenen Autorität. Will heißen: gelästert wird nur, wenn der Chef nicht im selben Raum ist.

 

Wundervollerweise hat uns dieser Glitzermoment eine ganz neue Sichtweise auf betriebsinterne Hierarchien ermöglicht. Wenn sich Kollege eins wegen eines Kostenvoranschlages darüber erzürnt, wer das denn bitte so entschieden habe, genügt der dezente Hinweis von Kollege zwei: „Das war der Chef.“ Pause – Nachsatz, grinsend: „... der Glitzerchef!“ um die Situation sofort und nachhaltig zu entschärfen. Das funktioniert so gut und so deeskalierend, dass ich mich inzwischen frage, ob damals, an diesem Januarmorgen, nicht vielleicht doch eine gewisse Absicht hinter allem steckte... das wäre unserem ausgefuchsten Chef zumindest sofort zuzutrauen. Bedanken können wir uns jedenfalls bei dessen lieber Gattin, die an dieser Stelle auf das Herzlichste gegrüßt sei! Denn schließlich war sie es, die uns nicht nur einen wichtigen Moment in der Firmengeschichte geschenkt, sondern auch unserem Chef einen wundervollen, neuen Kosenamen beschert hat - und das alles nur durch eine kleine Maschinenladung glitzernder Weihnachtsdecken unmittelbar vor dem Waschgang mit den metzgerschen Firmenhemden... kleine Ursache, große Wirkung! Danke!

 

Es grüßt Sie herzlich

 

 

Ihr Betriebsmädchen

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