Das Betriebsmädchen warnt Sie

Liebe Kunden, liebe Freunde, liebe Musiker – liebe Leser!

 

Manchmal, das muss an dieser Stelle mal gesagt sein, habe ich den allergrößten Respekt vor Ihnen. Manchmal, da sind Sie einfach so saucool und so hart im Nehmen, dass ich nur staunen kann. Denn manchmal, ja manchmal hätten Sie nämlich durchaus Anlass dazu, verärgert zu sein. Oder gekränkt. Oder zumindest angemessen verwundert.

 

Folgende Ausgangslage: Sie bringen ein Instrument zur Reparatur in unser Geschäft. Dort werden Sie gleich zu Beginn vom Chef oder von mir am Werkstatttresen empfangen und erzählen uns ein wenig über den Defekt an Ihrer Querflöte, der übergroßen Beule im Jagdhorn oder dem schon von Weitem deutlich aus dem Koffer herausragenden, festsitzenden Mundstück an der Trompete. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden wir Ihr Instrument dann zur weiteren Begutachtung einem unserer beiden Kollegen an der Werkbank zeigen, um mögliche Reparaturmaßnahmen, Kosten und Dauer zu besprechen. Und genau dort werden wir mit wahrscheinlich grenzenloser Sicherheit bereits mit einem entsprechenden Spruch empfangen - besonders beliebt: dem Betriebsmädchen das Wort im Munde umdrehen. Oder dem Kunden. Und wenn's richtig gut läuft: gleich beiden! Oh, wie gerne möchte ich Ihnen im Begrüßungsgespräch manchmal regelrecht über den Mund fahren, wenn die Kollegen wieder besonders ausgelassen sind und nur auf einen Anlass warten, Ihnen ungefragt ein ironisches Wortspiel reinzudrücken.

 

Andererseits – was bleibt den beiden denn auch anderes übrig, wenn Sie uns, einen Klarinettenkoffer schwenkend, mit den Worten „Guten Tag! Ich hab' einen Riss in der Birne!“ begrüßen? Da muss man doch eiskalt kontern dürfen! Oder wie würden Sie reagieren, wenn man Ihnen über einen Tubaschalltrichter hinweg anvertraut „Wissen Sie, ich habe schon seit Monaten Probleme mit meinem Ventil.“ ? Muss man da heimlich in sich hineingrinsen, oder darf man auch mal einen ordentlichen Schenkelklopfer draus machen? In sehr, sehr seltenen Fällen gelingt Ihnen im Übrigen auch etwas ganz Einzigartiges: so bestätigte eine freundliche Seniorin den Kollegen gestern äußerst mitfühlend, diese ewigen Reparaturen und Reparaturen und Reparaturen den lieben langen Tag seien ja nun wirklich die reinste Syphillisarbeit. Und während ich mich, auf das Schlimmste gefasst, mit einem äußerst beschwichtigenden Blick Richtung Werkbank umwandte, entdeckte ich: absolute Schockstarre, verteilt auf zwei Gesichter. So viele mögliche Gags! All diese Witze, Wortspiele, Kalauer! Himmel! Welchen nehmen? Was tun? Was tun??! ... der Augenblick verstrich... und die Chance zur ultimativen Pointe war vertan. Zurück blieben zwei ratlose Blasinstrumentenmacher, einer Sinnkrise nahe. Wie hatte das nur geschehen können?!

 

Den Rest des Tages übrigens, Sie ahnen es bereits, war es dann auffallend still in der Werkstatt. Wenn Sie also Ruhe und ironiefreie Reparaturgespräche schätzen: bringen Sie Ihre Pointe doch am Besten gleich selbst mit. Das verschafft Ihnen wenigstens ein bisschen Zeit, bevor der stets zu Scherzen aufgelegte Werkstattmob über Sie herfällt.

 

Es grüßt Sie herzlich

  

Ihr Betriebsmädchen

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