Das Betriebsmädchen kriegt mächtig Ärger

 

 

Liebe Kunden, liebe Freunde, liebe Musiker – liebe Leser!

 

Ich geb's gleich zu: es war meine Schuld. Wie im Grunde genommen ja alles hier meine Schuld ist – denn „dafür haben wir ja schließlich ein Betriebsmädchen“ (Zitat Ende). Aufgewachsen mit zwei älteren Brüdern bin ich zwar eigentlich von jeher ganz groß darin, meiner zu Recht verärgerten Mutter noch während ich mit den Händen voller Matsch an der Terrassentür herumschmierte reflexartig „Ich war's nicht!“ zuzurufen, dennoch kann ich inzwischen ganz klar einsehen, wenn ich verloren habe. Wie auch in dem Moment, als der Chef vorgestern durch die Tür kam.

 

'Durch die Tür kommen' trifft es allerdings auch nicht ganz korrekt, dies noch zum Verständnis. Wenn ein Chef morgens den Laden betritt, kann er die Ladentür auf drei verschiedene Arten öffnen. Erstens: „Mooorgen! Na, ihr Krachlatten?“ Subtext: gute Laune. (Quote: 99 / 100 Arbeitstagen) Zweitens: man hört bereits schabende Geräusche an der Außenseite der Tür, bevor sie  pock --- POCK! --- pock   mit vollgepackten Armen oder darauf befindlichen Kartons und Koffern stoßweise aufgeboxt wird. Subtext: hilf' mal, Auto is' auch noch voll. (Quote: 100 / 100 Bläserklassentagen) Und schließlich drittens: Tür fliegt mit einer einzigen, wütenden Bewegung auf und wieder zu. „Moin.“  Subtext: alle in Deckung  (Quote: 1 / allen bisher absolvierten Arbeitstagen) Sie sehen also: es war ernst!

 

Den folgenden – ja, sagen wir es ruhig! – Anschiss vom Chef wortwörtlich niederzuschreiben, ist an dieser Stelle nicht notwendig. Es reicht, sich zwei betretene Gesichter (Kollegen) und ein großes Fragezeichen (Betriebsmädchen) vorzustellen. Denn unser aufgebrachter Chef empörte sich wortreich und nachdrücklich über gewisse „Krampen“, die ihm gestern anscheinend gründlich den Tag verdorben hatten. Krampen? Nie gehört... Verzweifelt versuchte ich, gleichzeitig reumütig auszusehen und herauszufinden, worum es sich dabei bloß handeln könnte. Gartenschädlinge vielleicht? Oder ein Schimpfwort für Polizisten? Ekliges Essen? Aber was genau konnte ich dann dafür? Als schließlich herauskam, dass ihm die „verfluchten Krampen“ beim Transport sowohl Autoinnenraum als auch Hände verletzt hatten, erkannte ich: Krampe ist anscheinend ein Oberbegriff für einen klammerähnlichen Kupferdraht, der die Nahtstellen schwerer Kartons zusammenhält und, sofern er vor der Kartonentsorgung nicht entfernt wird, einen Chef ziemlich wütend machen kann. Hätte ich das doch nur geahnt! Aber nun ist es zu spät. Der Chef-Finger ist hin, die Innenverkleidung des Autos zerkratzt.

 

Also blieb mir nur eines: ich musste weitere Katastrophen dieser Art unbedingt verhindern! Und das gelingt selbstverständlich nur mit einem entsprechenden Hinweiszettel. Nein, einem Hinweisschild. Ein Plakat nahezu! Es hängt seitdem über unserer betriebseigenen Altpapiersammelstelle - eine Tafel so groß mit einer Warnung so laut, dass sie einem schon beim Lesen in den Ohren klingelt: KRAMPEN RAUS!! steht dort geschrieben. Und was für Sie vielleicht so klingen mag wie eine Ausgrenzung kupferner Minderheiten gibt uns dagegen seitdem jedes Mal aufs Neue ein sicheres Gefühl: die Eingangstür wird dank dieses Schildes auch morgen zufrieden quietschend aufgehen und einen gut gelaunten Chef eintreten lassen. Sie wären doch sicher auch lieber eine Krachlatte als eine Krampe, nicht wahr?

 

Es grüßt Sie herzlich

 

Ihr Betriebsmädchen

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