Das Betriebsmädchen sieht Comics

 

Liebe Kunden, liebe Freunde, liebe Musiker – liebe Leser!

 

Erinnern Sie sich noch daran, wie Bugs Bunny, Tom & Jerry oder Road Runner damals aussahen, wenn Sie großes Erstaunen oder blankes Entsetzen ausdrücken wollten? Diese anatomisch unkorrekt weit hervorquellenden Augen und der offenstehende Mund, dessen Kinnlade mit einem feisten klapp auf den Boden fällt - wissen Sie noch?! Nicht? Dann sollten  Sie mal einen Tag als mein Schatten bei uns im Geschäft verbringen. Sie werden sofort verstehen, wovon ich spreche!

 

Ab und an kommt es beispielsweise vor, dass es einen kleinen Reparaturstau in der Werkstatt gibt – zum Beispiel, wenn ein Musikzug seine vierzig „Schrankinstrumente“ (Sammelbegriff für alle kleinen und großen Blechhaufen, die eigentlich seit Anno Tobak friedlich auf irgendeinem Speicher vermodern, nun aber von einer guten Seele des Vereins bei uns zur Reinigung und Überholung abgeladen werden) vorbeibringt und damit die Wartezeit beim Blechblasinstrumentenservice mal fix um weitere zwei Wochen erhöht. Dann sieht der nächste Kunde, dem ich erzählen muss, dass er für die Wartung seines Flügelhorns etwa einen Monat auf ebenjenes verzichten müsste, im gleichen Moment nämlich GENAU SO aus wie ein vom Donner gerührter Bugs Bunny. Echt wahr! Fehlen nur noch die alarmiert scheppernden Trompeten als Hintergrundmusik, und der Metzgercomic ist komplett. Selbstverständlich sieht nicht jeder Kunde so aus, wenn er schlechte Nachrichten erfährt – sogar in Hannover und Umgebung scheint es den einen oder anderen Stoiker zu geben, der die aktuelle, mehrmonatige Lieferzeit eines speziellen Mundstückherstellers mimisch absolut unbewegt zur Kenntnis nehmen kann. Nicht zu vergessen natürlich auch solche, die wahnsinnig gern Stoiker wären, dann aber dennoch nicht vermeiden können, den leider vier- statt dreistelligen Kaufpreis der ausgesuchten Klarinette mit einem sehr scharfen Einatmen zu quittieren. Ob dann da gleichzeitig auch noch irgendwo was herausquillt... durchaus möglich.

 

Letzten Sommer jedenfalls, während der berüchtigten Bläserklassenzeit (neuer Sommer, altes Leid ----KLICK), stapelten und stapelten und stapelten sich die wartenden Instrumente in unserer Werkstatt mal wieder in schwindelerregende Höhen, sodass ich einer Kundin und ihrer Saxophon spielenden Tochter sagen musste „Ihr Instrument wird leider erst zum Ende der Sommerferien fertig sein.“ - „Waaaaaas?!“ - Da war er wieder, direkt vor mir am Tresen: der vollkommen entsetzte Bugs Bunny! Von einem Moment auf den anderen bestand das hübsche Gesicht meiner Kundin nur noch aus Augen und Mund. „Was war da denn los?“ fragte uns später der Chef, der den Dialog zwar nicht gehört, dafür aber die Reaktion der Kundin aus dem Studio nebenan umso deutlicher gesehen hatte. „Das“, stellte Kollege eins trocken fest, „war das sechs-Wochen-Gesicht.“ Recht hat er! Wäre nur schöner, wenn es uns allen dabei ein bisschen mehr zum Lachen zumute wäre...

 

Es grüßt Sie herzlich

 

 

Ihr Betriebsmädchen

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