Das Betriebsmädchen rudert zurück

Liebe Kunden, liebe Freunde, liebe Musiker – liebe Leser!

Nach meinem letzten blog hatte ich schlaflose Nächte. Es vergingen kaum drei Stunden nach Veröffentlichung, bis der erste Kunde mir im Laden mit einer gefährlichen Mischung aus verschwörerisch und extrem offensichtlich zublinzelte, als ich in unserem Gespräch über Neuheiten von der Frankfurter Musikmesse erwähnt hatte, sicherheitshalber noch den Chef danach fragen zu wollen. "Jajaaa...", beschied nämlich jener Kunde mit einem überraschend vielsagenden Grinsen, "… der Chef weiß schließlich alles..." - zwinker -  "… darum ist er ja der Chef..." - doppelzwinker- "… nicht wahr?" Hm. Was sollte ich nun davon halten? Wie war das denn jetzt gemeint? Jaja hieß in diesem Falle doch das, was es nunmal gemeinhin so heißt, oder lag ich da falsch? Im Klartext: hielt mein Kunde unseren Chef jetzt für einen Trottel? Oder einen Besserwisser? Gar einen Tyrannen? Und das – meinetwegen?

An jenem Abend fuhr ich einigermaßen bedrückt heim und grübelte darüber nach, was ich mit meinem blog  angerichtet hatte. --- (übrigens wie zu Kinderzeiten, als ich meinem Spielkamerad humorlos Sand ins Ohr gesteckt hatte und meine Mutter mich mit einem anklagenden "Denk' darüber nach, was du getan hast" auf's Zimmer schickte. Das tat ich dann. Saß da, fühlte mich fürchterlich und dachte nach, was das Zeug hielt – kam allerdings nur immer wieder zu dem Ergebnis, dass ich ihm halt Sand ins Ohr gesteckt hatte. Und fühlte mich noch fürchterlicher) --- In meinem blog hatte ich zwar keine despektierlichen Absichten gehabt, aber  dennoch die Integrität des Chefs anscheinend irgendwie in Misskredit gebracht. Wenn ein eifriger Leser sich schon am selben Tag extra die Mühe machte, in unser Geschäft zu kommen um mir verschwörerisch zuzublinzeln – wer weiß, was uns in den kommenden Wochen erst bevorstehen würde. Würde man mit Fingern auf den Chef zeigen? Unseren Firmenwagen höhnisch lachend mit Eiern bewerfen? Fiese Chef-Spitznamen auf facebook verbreiten? Unerträgliche Vorstellung... Es drängt mich also danach, etwas richtig zu stellen:

Nein, unser Chef ist kein Trottel. Erst recht kein Tyrann. Und ein Besserwisser ist er nur, weil er es eben – leider – einfach besser weiß. Ist so. Nicht schön, aber ist so. Glauben Sie mir, ich habe das dutzendfach erprobt, stand mit zerknirschter Miene im Büro und erklärte anschaulich, wie sehr wir alle ein bestimmtes Reparaturinstrument im Lager nicht gefunden hatten. Gar nicht gefunden. Keiner von uns. Ja, ich habe sogar zweimal nachgeschaut. Nix!! Das sage ich dem Chef so überzeugend wie möglich und immer in dem Wissen, dass ich schon ungezählte Male so vor ihm stand und mein findeichnicht-habenwirnicht-Gebet  aufgesagt habe. Aber diesmal – diesmal! - stimmt es. Ich habe nachgesehen. Alle haben nachgesehen. Nichts gefunden. Dann lächelt er milde, wie nur ein Chef lächeln kann, steht schon mit einem "Ich guck' mal eben." im Türrahmen, und ist zwei Schritte vor mir im Reparaturlager – gerade früh genug, um bereits das vermisste Instrument in der Hand zu halten, während ich hinter ihm gerade den Raum betrete.

Das kann eben nur er. Niemand sonst. Bevor Sie also mit faulen Eiern nach ihm werfen, sei Ihnen noch gesagt: obwohl sich diese Szene wie eine Art privater Fluch alle paar Wochen mit den gleichen Statisten wiederholt, wurde mir noch nicht ein einziges Mal triumphierend oder abschätzig mit dem Fundstück vor der Nase herumgewedelt. Nein, im Gegenteil: der Chef findet, freut sich, verlässt den Raum (ballt dann wahrscheinlich heimlich die Faust) und verliert fortan kein Wort mehr darüber. Und auch darum ist der Chef eben der Chef.

Es grüßt Sie herzlich

 

Ihr nun erleichtertes Betriebsmädchen

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