Das Betriebsmädchen paniert

 

Liebe Kunden, liebe Freunde, liebe Musiker – liebe Leser!

 

Kürzlich entbrannte in unserem Team eine hitzige Diskussion über ein wichtiges, gesellschaftspolitisch zentrales Thema. Etwas, das jeden von uns betrifft oder zumindest irgendwann einmal betroffen hat:  das Wiener Schnitzel. Auslöser war ein zunächst ganz unverfänglicher Bericht von Kollege zwei über seinen Besuch in der Heimat, der mit den Worten endete, man habe am letzten Abend dann noch gemeinsam in einem Restaurant zu Abend gegessen. „Was gab's denn?“ - „Wiener Schnitzel,“ und sodann der arglose Nachsatz, „war überraschend günstig.“ Kurze Stille, Kollege eins prüft das mögliche Streitpotential dieser letzten Aussage, ermittelt sehr schnell einen positiven Bescheid und hält ketzerisch dagegen: „Vielleicht war's ja nur ein Schnitzel Wiener Art.“ Überraschte Miene beim Gegenüber, dann Kopfschütteln. „Nee, quatsch. Das war mit Zitrone.“ Prompt war es an Kollege eins, perplex zu schauen.

 

Wie sich herausstellte, hatten beide Diskussionsteilnehmer seit Jahrzehnten verschiedene Vorstellungen eines Wiener Schnitzels. Während der Eine darunter ganz lehrbuchgerecht ein Gericht ausschließlich aus Kalbfleisch verstand, war es für den Anderen lediglich ein Sammelbegriff für Schnitzelgerichte fast aller Art. Hauptsache paniert - und mit Zitrone. Und während man dem Einen auf diese Weise strebermäßige Spitzfindigkeit unterstellen könnte, müsste man eigentlich ebenso angesichts der kulinarischen Gleichgültigkeit des Anderen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Ich tat im Anschluss selbstverständlich beides, ganz genüsslich, und ergötzte mich an der leidenschaftlichen Debatte – vor allem erleichtert darüber, dass es wenigstens ein Mal nicht um einen meiner eigenen Fehltritte ging. „Echte Wiener Schnitzel sind aus Kalbfleisch,“ setzte Kollege eins erneut an, „und deshalb auch verhältnismäßig teuer.“ - „Aber ich hab' ein Wiener Schnitzel bestellt, das weiß ich doch ganz genau.“ empörte sich Kollege zwei zusehends. Breites Grinsen von Kollege eins: „Bestellt, ja. Aber gebracht  haben Sie dir ein Schnitzel Wiener Art.“ Kollege zwei winkt ab „Ach, ist mir egal. Ich hab' da ein leckeres Schnitzel gegessen.“ Und dann, achselzuckend, „War günstig. Und mit Zitrone.“

 

Doch obwohl dieser Disput mit letzerer Aussage schließlich ohne nennenswerten Gesichtsverlust auf beiden Seiten zu Ende ging, schwelt die Grundproblematik seitdem weiter vor sich hin und bricht sich im Werkstattalltag immer wieder Bahn: Ist die Barocktrompete unseres Kunden denn nun wirklich eine Reine Barocktrompete oder doch eher eine Trompete barocker Art? Und ist die stattliche Beule im Schalltrichter des Waldhorns wirkliche eine Große Beule oder tatsächlich eine Beule großer Art? Es gibt jedenfalls nur eine uns bekannte Methode, das Eine vom Anderen zuverlässig zu unterscheiden - ist es mit Zitrone oder ohne?

 

 

Es grüßt Sie herzlich

 

 

Ihr Mädchen betrieblicher Art

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