Das Betriebsmädchen nimmt die Hintertür

 

Liebe Kunden, liebe Freunde, liebe Musiker – liebe Leser!

 

Offensichtlich führte mein vergangener blog über die besonderen, nennen wir es „geographischen Gegebenheiten“ unseres Geschäftes (in aller Ausführlichkeit hier --- KLICK) zu  mittelschwerer Irritation unter unseren Kunden. Spürbar erleichtert darüber, dass er sowohl zunächst fehlerlos unser Geschäft gefunden als auch selbiges anschließend unfallfrei betreten hatte, wurde kürzlich ein Kunde mit seiner Trompete in unserer Werkstatt vorstellig. Ein freundliches Gespräch und zwei erneuerte Wasserklappenkorken später verließ er ebendiese wieder mit einem „Dankeschön – wiedersehen!“ und verschwand durch  unsere Ladentür im Hausflur. Mein Kollege nahm umgehend seine Arbeiten im Polierkeller wieder auf, während ich nebenan im Studio die Spuren der letzten Posaunenberatung aufzuräumen begann.

 

Und während ich meditativ Mundstück für Mundstück reinigte, trocknete, einsortierte, reinigte, trocknete, einsortierte, hörte ich: tock tock. Und gleich nochmal: tock tock. Ich hielt inne. Hatte da jemand geklopft? Und wenn ja, wo? Und wer? Der Kollege im Polierkeller? Der Geist des Firmengründers in den mürben Nachkriegswänden? So sehr ich mich auch umsah, die Ursache war einfach nicht zu ermitteln. Dennoch setzte sich das tock unbeirrt fort, inzwischen um einige Dezibel dringlicher: tocktock. tocktocktock!! Ich hörte und schaute, lauschte und schlich umher – und enttarnte schließlich, je näher ich dem Durchgang zur Werkstatt kam, eines der dortigen Fenster zum Innenhof als Quelle aller Geräusche. Ah! Sicher mal wieder die ausgelassenen Nachbarskinder! Klar! Doch als ich um die Ecke bog, traf ich dort zu meiner völligen Überraschung auf den Kollegen, der, den frisch polierten Posaunenzug noch in den Händen haltend, betreten auf eine von Erschöpfung gezeichnete Gestalt am Fenster gegenüber blickte. Es war dies unser letzter Kunde samt Trompete, der offenbar im Flur versehentlich die falsche Richtung erwischt, dann die Hintertür genommen und sich damit selbst im Innenhof einkaserniert hatte. Was blieb ihm also anderes übrig, als mit ausdauerndem Klopfen auf sich aufmerksam zu machen?

 

Ja, ich gebe es zu: nach der ersten Verblüffung hatten wir beide, mein Kollege und ich, große Lust, uns darüber kaputtzulachen – zumal wir hinterher im Schnee entdeckten, auf welch irren Wegen der arme Mann den Hof immer und immer wieder durchquert haben musste, zunächst in angemessener Verwirrung, später in deutlich erkennbarer Panik. Immerhin aber darf sich unser Kunde, der inzwischen auch selbst darüber lachen kann, damit trösten, dass er fortan einem ganz exklusiven Freundeskreis angehört. Quasi einer Art Metzgerschem VIPClub, allerdings mit weniger Glamour, dafür mit deutlich mehr Innenhöfen. Denn so ab und zu, alle Jahre wieder, verirrt sich erneut ein einsamer Kunde durch die Hintertür, von uns gänzlich unbemerkt – jedenfalls so lange, bis erneut ein trauriges Gesicht am Werkstattfenster zu uns hereinblickt und durch Klopfzeichen reumütig um Einlass bittet.

 

Es lässt Sie herzlich gern wieder eintreten

 

Ihr Betriebsmädchen

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