Das Betriebsmädchen nervt seine Kollegen

Liebe Kunden, liebe Freunde, liebe Musiker – liebe Leser!

"Wo ist denn die Kiste geblieben, die ich hier hingestellt habe?" - "Wer hat diese Bestellliste geschrieben?" - "Warum ist das Druckerpapier nicht nachgefüllt?" --- Sicher haben Sie auch jemanden bei sich zuhause oder an Ihrem Arbeitsplatz, der Sie mit Fragen solcher Art zur Verzweiflung treibt. Nur geraten: handelt es sich hierbei vielleicht um eine Frau? Treffer!

Sehen Sie – ebendiese regelmäßig nervtötende, allerdings immer Recht behaltende Frau bin ich für meine Kollegen. Naja, sagen wir: ich bin das immer Recht behaltende Mädchen. Manchmal verbringe ich nicht enden wollende Arbeitstage damit, hinter jedem Karton, jedem Instrument und jedem Mitarbeiter herzulaufen, um etwas nachzuarbeiten, wegzuräumen oder zu klären. Was-ist-hiermit und Was-ist-damit den ganzen Tag. Habe ich tags zuvor das Geschäft vermeintlich aufgeräumt verlassen, quellen mir schon am nächsten Morgen kubikmeterweise unsortierte Kisten, Kästen und Koffer entgegen.

Meist ertrage ich mein Leid mit der mir als Westfälin eigenen Gelassenheit und versuche, die sich aufstauende Ordnungswut mit mir selbst auszumachen. Manchmal aber geht es nicht anders – ich muss die Kollegen befragen, wieso und weshalb beispielsweise ein von allen seit Tagen ignorierter, viel zu großer, schwarzer Werkzeugkoffer kommentarlos vor der Werkbank steht. Eigentlich interessiert mich die Antwort ja nicht besonders, das gebe ich zu. So rein persönlich wäre mir ein solcher Koffer total schnuppe. Aber mein zum fünften Mal schlimm daran gestoßener Zeh schreit wutschnaubend nach Vergeltung, also braucht der Kofferübeltäter endlich einen Namen!

Die Standardantwort der Werkstattmänner ("… hm, weiß' nicht.")  - beziehungsweise die andere Standardantwort ("Da steht ein Koffer?") - bringt mich nur in den wenigsten Fällen weiter, weshalb solche Anfragen meist Kraft ihrer Dringlichkeit direkt beim Chef landen. Der weiß schließlich alles - darum ist er ja der Chef. Nach dem gewohnt abwehrenden Erstreflex ("… was für'n Koffer?") bekomme ich dann üblicherweise meine Antwort und kann unter dem Augenrollen der Kollegen endlich einen hübschen, beschrifteten Zettel an den Koffer kleben, damit zukünftig jeder, der sich den Zeh daran stößt, weiß, auf wen er sauer sein muss. Inzwischen ist das für mich eine Aufgabe, die je nach Tagesform zwischen liebgewonnener Routine und verhasster Drangsalierung pendelt. Ich habe mich damit abgefunden, sie niemals wirklich ganz zu erledigen – wozu bin ich schließlich sonst das Betriebsmädchen hier?

Außerdem erlebe ich ja auch immer wieder schöne Überraschungen dabei – wie gestern, als ich ein wenig ratlos im Reparaturregister blätterte, um einige Kundennamen mit Daten zu ergänzen. "Sag' mal," murmelte ich einem der Werkstattmänner zu, der neben mir im Schrank herumkramte, "was ist denn eigentlich mit Herrn Brösemann?" -"Der .. " antwortete der Kollege zu meiner grenzenlosen Überraschung mit einem stolzen Lächeln"...hat die schönste Höse an!"

Es lacht heute noch darüber

 

Ihr Betriebsmädchen

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