Das Betriebsmädchen mag's familiär

 

 

Liebe Kunden, liebe Freunde, liebe Musiker – liebe Leser!

 

Eigentlich bin ich ja ein ausgesprochener Familienmensch, so ganz privat. Beruflich allerdings bereitet mir allzu Familiäres oft Kopfzerbrechen - beispielsweise dann, wenn ich vor der heiklen Aufgabe stehe, Kunden vorsichtig zu korrigieren, die mir in Erinnerungen schwelgend erzählen, Sie hätten den alten Herrn Werner noch persönlich gekannt. Für Anekdoten wie diese bin ich zwar stets gern zu haben, halte es aber dennoch für gute Erziehung, behutsam darauf hinzuweisen, dass ebendiese Geschichten sicher noch viel besser in der Instrumentenwerkstatt unseres Mitbewerbers Armin Werner aufgehoben seien. Inzwischen haben wir uns zwar betriebsintern darauf geeinigt, dass eine bei Metzger vorgetragene Wernergeschichte aufs Universum betrachtet logischerweise durch die entsprechende bei Werner erzählte Metzgergeschichte amortisiert werden muss, so richtig sicher bin ich mir allerdings trotzdem nicht – besonders, weil ich einfach nicht glauben kann, dass tatsächlich jemand in einer echten Metzgerei anruft und fragt, ob ein bestimmtes Saxophon dort auf Lager sei, wohingegen bei uns regelmäßig Menschen am Telefon nach zwei Kilo Rinderhüfte verlangen. Viel leichter kann ich dagegen nachvollziehen, dass Kunden in unserem Geschäft vergeblich nach Akkordeons oder Gitarrensaiten suchen, denn wer unserem Namenszusatz Studio für Blasinstrumente nicht begegnet, kann es schließlich auch nicht besser wissen.

 

Am allerliebsten sind mir aber gar nicht all die Verwechslungen rund um Firmen, Namen und Bezeichnungen, sondern Ihre manchmal vorsichtigen, manchmal anmaßenden Verwandschaftsvermutungen. Wie oft teilten mir meine Kunden am Tresen schon abwinkend mit, die Versicherungsbedingungen für Neuinstrumente hätte „mein Mann“, also der Chef, gerade schon ganz ausführlich erklärt – sehr zur unbändigen Freude der Kollegen, die ich im Augenwinkel bereits grinsend und Hände reibend in der Werkstatt warten sehen konnte, die nächste Stichelei bereits im Anschlag. Mindestens ebenso häufig werde ich gefragt, ob ich „die Tochter“ oder „die Enkelin“ der Metzgers sei (wobei ich mich schon ernsthaft wundern muss, weshalb ich manchmal nach einer Generation mehr und manchmal nach einer weniger aussehe…). Wenigstens sind davor weder Chef noch Kollegen gefeit: wir alle, egal welchen Alters und Geschlechts, wurden bereits verdächtigt, auf die eine oder andere Art und Weise mit den Metzgers wie auch auf irritierende Weise geschlossen untereinander verwandt zu sein. Demnach wäre ich ja nicht nur eine Enkelin von Frau Metzger, sondern auch die Frau meines Chefs – und da in Kollege eins sowohl schon dessen Bruder als auch "ein Metzgersohn" vermutet wurde, wäre ich folglich nicht nur seine Tochter, sondern auch gleichzeitig Schwägerin... öhm... oder so. Jedenfalls sei Ihnen versichert: trotz Ihrer oft abenteuerlichen Mutmaßungen freuen wir uns darüber, dass Sie unser Geschäft und unser Team tatsächlich als so selbstverständlich familiär empfinden – ein ausgesprochen schönes Kompliment für die herzliche und persönliche Atmosphäre in unserem kleinen Laden, finden wir. Dankeschön!

 

 

Es grüßt Sie herzlich

 

 

Ihr Betriebsmädchen / Ihre Betriebsgattin / …- enkelin / …!

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