Das Betriebsmädchen liest in den Sternen

 

Liebe Kunden, liebe Freunde, liebe Musiker – liebe Leser!

 

Haben Sie sich eigentlich schon  damit beschäftigt, ob es sich heute überhaupt lohnt, das Haus zu verlassen? Besitzen Sie eine ungefähre Vorstellung davon, wie genau Ihr Tag dann aussehen wird? Kurz: wissen Sie schon, wie Ihre Sterne heute stehen? Nicht? Wir schon – vorausgesetzt, es ist bereits zwanzig nach zehn. Denn bei uns in der Metzgerei gehört es mittlerweile zur allmorgendlichen Tradition, das Radiohoroskop zu verfolgen. Dort erklärt uns der Lokalsender unseres Vertrauens zuverlässig Morgen für Morgen, wie nun der weitere Tag zu handhaben ist. Weise warnt er uns beispielsweise davor, in den nächsten Stunden übereilte Entscheidungen zu treffen oder neuen Bekanntschaften gleich zu viel Raum zu geben. Er erklärt uns behutsam,  dass ein offenes Wort unter Freunden nicht gleich als persönliche Kritik aufzufassen ist und weshalb unser Partner sich angesichts unserer Projekte zurückgesetzt fühlen wird. Alle Lebenslagen und -fragen werden hier in einem flotten Zweizeiler abgehandelt – inzwischen unverzichtbar für unseren Start in den Arbeitstag.

 

Besonders beliebt: Aufforderungen zur Entschleunigung. Wenn es wieder heißt   Sie sind angeschlagen! Gönnen Sie sich die Pausen, die Ihr Körper braucht   oder gar deutlicher   Ihr berufliches Engagement in allen Ehren! Dennoch sollten Sie Ihre eigenen Bedürfnisse nicht weiter ignorieren   bricht im Mitarbeiterkreis allgemeiner Jubel aus, um sodann dem Chef die gute Nachricht zu verkünden, heute würde lieber nicht mehr so viel gearbeitet. Sicherheitshalber. Man wolle es sich mit den Sternen oder dem Schicksal oder dem Großen Manitu oder wer auch immer für diese Leitlinien verantwortlich sei, schließlich nicht verscherzen.

 

Passenderweise haben alle im Team verschiedene Sternzeichen, weshalb die Weisheiten oft verblüffend typgerecht daherkommen. Ganz besonders fällt uns das beim Chef auf – immer wieder heißt es dort   Sie erfahren heute die Anerkennung, die Ihnen gebührt!   in sicherlich schon zwanzig verschiedenen Formulierungen, dicht gefolgt von Variationen über   Auch, wenn Ihr Umfeld abwehrend reagiert, sollten Sie zu Ihren Forderungen stehen   .  Kollege eins wird regelmäßig mit strukturellen Maßregelungen à la   Verwenden Sie zukünftig mehr Mühe auf eine genaue Arbeitsplanung. Der Erfolg wird Ihnen sicher sein   drangsaliert, während die Sterne von Kollege zwei offensichtlich sehr mit dessen norddeutschem Phlegma hadern   Zurückhaltung ist nicht immer das Mittel der Wahl. Setzen Sie auf Taten statt Worte!   ist da noch eine der charmanteren Aufforderungen. Ja, und fehlt da nicht noch jemand, fragen Sie?! Sag', Betriebsmädchen, wie hast du's mit der Astrologie? Vielleicht so viel: in meinem Horoskop hieß es einst, ich solle meinen Gedanken mehr Raum geben – ein Tagebuch kann eine sinnvolle Hilfe sein.  Das habe ich mir,  wie Sie sehen, sofort zu Herzen genommen!

  

Es grüßt Sie herzlich

  

Ihr Betriebsmädchen

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