Das Betriebsmädchen klingelt

 

Liebe Kunden, liebe Freunde, liebe Musiker – liebe Leser!

 

Ist es Ihnen eigentlich noch nie merkwürdig vorgekommen, wenn ich hier Dinge schrieb wie   und als es klingelte   oder   da unterbrach mich plötzlich die Türklingel  ? Worauf ich hinaus will: fanden Sie es nie seltsam, dass man in einem Geschäft klingelnderweise um Einlass bitten muss, so wie es bei uns der Fall ist? In anderen Läden hat man es ja allerhöchstens noch mit einer Lichtschranke zu tun, deren Durchquerung dem geneigten Verkäufer plärrend die Ankunft eines weiteren Kunden signalisiert. Quasi eine Art akustische Petze. Mittlerweile ist aber auch das aus der Mode gekommen, sogar so deutlich, dass gar das Geschäft selbst den Kunden mit lauter Musik auf sich aufmerksam macht. Oder abschreckt, so ganz genau ist mir das bis heute nicht klargeworden. Bei uns aber ist in diesem Bereich die Zeit noch ein wenig stehen geblieben – sprich: wer etwas will, muss läuten. Jeder einzelne Kunde braucht also zunächst eine kleine Portion Mut, bevor er unser Geschäft betreten darf. Hier gilt knallhart: klingel' oder stirb! Nicht wenige verzagte Gemüter werden allabendlich entkräftet im Hauseingang von uns aufgelesen und mit einem aufmunternden Nicken für einen weiteren Versuch am nächsten Tag motiviert.

 

Hauseingang“ – auch das hebt unser Betriebsflair auf der Skurrilitätsskala noch mindestens eine Stufe nach oben. Denn unser kleines Geschäft ist auf den ersten, parkplatzsuchend-vorbeihuschenden Blick kaum als solches auszumachen. Keine große Glasfassade, keine freistehenden Werbetafeln schon an der Zufahrt, noch nicht einmal eine mittelmäßige zwei-Schaufenster-ein-Eingang-Front. Nein, bei uns geht es in der Außendarstellung, charmant ausgedrückt, sehr zurückhaltend zu. Will heißen: wer unser unaufgeregtes Firmenschild über dem Eingang des gewöhnlichen Mehrparteien-Hauses nicht sofort auf den ersten Blick entdeckt, der wird sich auch durch unsere fünf vergitterten Fensterchen nicht zum Anhalten überreden lassen (ja, vergittert! Keine Autokorrektur!) Schließlich residieren wir im Erdgeschoss eines Wohnhauses und locken mit überaus attraktiven Waren – da hätte auch der gute, alte Eduard Zimmermann zu kompromissloser Vollvergitterung geraten.

 

Um es also zusammenzufassen: wir sollten uns jeden Tag aufrichtig darüber wundern, dass überhaupt ein Kunde zu uns kommt, geschweige denn mehrere dergleichen. Man muss uns ja richtiggehend finden wollen, denn sonst besteht tatsächlich die Gefahr, dass man versehentlich vorbeifährt oder einen spätestens an der Türklingel der Mut verlässt. Weshalb wir trotzdem nichts daran ändern? Gute Frage! Einzige Antwort: weil es nur auf diese Weise unser typisches Metzger-Flair geben kann. Es ist eine Mischung aus Schnacken mit alten Bekannten und Warten auf der KFZ-Zulassungsstelle - ein bisschen Werkstatt, ein bisschen Behörde, ein bisschen Wohnzimmer. Und das gibt’s eben nur mit Klingel, nur mit Wohnhausatmosphäre, nur, wenn man quasi schon bei der Anreise das Gefühl hat, jemanden zu besuchen statt einfach nur einzukaufen. Bleiben Sie also bitte mutig, liebe Kunden – auch und vor allem, wenn Sie zum ersten Mal zu uns kommen wollen. Mag sein, dass es bei uns ein bisschen anders ist als bei den anderen... aber es besteht eine echte Chance, dass es Ihnen sogar gefallen wird. Das sollten Sie ausprobieren!

 

Es grüßt Sie herzlich

 

 Ihr Betriebsmädchen

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