Das Betriebsmädchen hat's eilig

 

Liebe Kunden, liebe Freunde, liebe Musiker – liebe Leser!

 

Als ich gestern im DB-Reisezentrum in einer von zwei Warteschlangen stand – in der langsameren von beiden, selbstredend – erinnerte ich mich an eine alte Studie, die besagte, dass am Ausgang eines Supermarktes befragte Kunden ihre Wartezeit an der Kasse deutlich länger einschätzten als sie tatsächlich gewesen war. Offensichtlich haben Menschen ein äußerst variables Zeitgefühl, das sich weniger an messbarer Dauer als an persönlicher Befindlichkeit orientiert. Nur so jedenfalls ist es zu erklären, dass manche unserer Kunden völlig ungerührt und achselzuckend ihr Instrument für vier Wochen zur Reparatur abgeben, weil es in der Werkstatt mal wieder so voll ist, während andere, um es mit Opa zu sagen, dat P inne Augen haben, wenn wir sie für eine Schnellreparatur lediglich auf den nächsten Tag vertrösten müssen. Glauben Sie nicht? Oh, doch – und sogar dazu gibt es eine Steigerung: „Ich brauche für mein Saxophon einen neuen S-Bogenkork. Wie lange dauert das bei Ihnen?“ Ich frage den Kollegen in der Werkstatt, der gerade passend einen kleinen Zeitpuffer hat – und kassiere dann vom Kunden auf mein strahlendes „Etwa 30 Minuten.“ ein vollkommen entsetztes „Was?! DREISSIG MINUTEN?? Nein. Nein, nein. Das geht ja echt gar nicht.“

 

Eine besonders charmante Verhandlung über Dauer und Wartezeiten hatte ich dagegen in der letzten Woche mit einem unserer Stammkunden, der, wie schon so häufig, eine seiner Trompeten zur Reparatur abgeben wollte. Aufgabenstellung: neue Wasserklappe an Stimmzug anbauen und anschließend versilbern. „Dauert etwa vier Wochen“, lautete die erste Einschätzung des Kollegen, „zum Versilbern müssen wir's ja Wegschicken.“ Der Kunde nickte langsam, sogleich die Gegenfrage stellend: „Und ohne Versilberung?“ Diplomatische Antwort: „Das, was ich jetzt zur Reparatur auf dem Tisch habe, ist zwei Wochen alt.“ Kunde: „Und wenn Sie nur die Wasserklappe anbauen?“ Kollege: „Trotzdem zwei Wochen. Neue Wasserklappe ist nix für mal eben zwischendurch, das muss ich hinten anstellen.“ Und dann, in die Grübelpause des Kunden hinein, dämonisch grinsend: „Ein Loch rein machen ginge aber jetzt sofort.“ - „Nee,“ bemüht sich der Kunde freundlich auf den mäßigen Witz einzugehen, „ich hab' beim Spielen keine Hand zum Zuhalten frei.“ - „Na, dann“ folgt die prompte Lebensweisheit des erfahrenen Blechblasinstrumentenmachers, „sparen Sie sich doch die olle Wasserklappe und spielen einfach nur noch senkrecht nach oben. Dann sammelt sich dort auch kein Wasser.“ Ha!! Hätten Sie's gewusst?

 

 „Bei Ihnen,“ beendete unser Kunde daraufhin mit einer Mischung aus echtem Amüsement und latenter Verzweiflung das Gespräch, „lernt man wirklich immer was für's Leben. Ob man will oder nicht.“ Recht hat er, der gute Mann - auch und ganz besonders mit seinem Nachsatz...

 

Es grüßt Sie herzlich

 

Ihr Betriebsmädchen

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