Das Betriebsmädchen hasst Kulis

  

Liebe Kunden, liebe Freunde, liebe Musiker – liebe Leser!

 

Es gibt manchmal Tage, ich glaube, das erwähnte ich an dieser Stelle schon einmal so ähnlich (nämlich hier --- KLICK ), da ist man nicht so gern Verkäufer. Nicht unbedingt deshalb, weil man den Beruf grundsätzlich verfehlt hätte, sondern einfach nur, weil man sich bereits beim Aufstehen den Daumennagel am Radiowecker umgeknickt hat und dieses schlechte Karma unwillkürlich in den Arbeitsalltag übernimmt. Mit einhundertprozentiger Sicherheit ist das erste geschäftliche Telefonat des Tages dann nämlich ein ausufernder Beschwerdeanruf, zu allem Überfluss auch noch berechtigt. Gleichzeitig hat jemand gestern vergessen, neue Kugelschreiber neben das Telefon zu legen, weshalb ich dann zwar zähneknirschend die Forderungen am Telefon mitzuschreiben versuche, allerdings nur jeden dritten bis fünften Buchstaben lesen kann und daher hinterher auf keinen Fall mehr weiß, was „R_kl_ No_ _c_erz_“ jemals hätte bedeutet haben können. Nach Ladenöffnung versucht dann der zweite Kunde, der den Laden betritt, direkt zur Begrüßung mich für sein Parkplatzfindungsproblem verantwortlich zu machen, während Kunde Nummer eins noch dabei ist, je-de ein-zel-ne frischgeputzte Querflöte auf dem Tresen liebevoll auf  je-dem ein-zel-nen Quadratzentimeter zu betatschen. Also, nicht falsch verstehen: kann man ja alles machen, bitte, sehr gerne. Aber doch nicht heute!

 

Denn heute, heute ist sogar der eigentlich so heißgeliebte Paketbote mit Sicherheit draußen in Hundekot getreten und verteilt ebendiesen genauso liebevoll wie großflächig in unserem Teppich. Und Kunde Nummer drei, ein Freund des Hauses, ist zwar im Grunde genommen sehr fröhlich, macht mich aber heute durch die inflationäre Benutzung meines Nachnamens während unseres Gespräches von Minute zu Minute aggressiver. Und als es dann noch einen Rüffel vom Chef gibt, der vollkommen zu Recht darauf hinweist, dass die Kugelschreiber neben dem Telefon doch schon gestern ausgetauscht werden sollten, reicht es mir endgültig. Was für ein ätzender Tag! Was für ein  tierisch nerviger Job! Was für ein fieser, fieser Chef! Und diese verdammten Kugelschreiber!!

 

„Kommt,“ raune ich also unter dem Einfluss kaum noch beherrschbarer Meutereisehnsucht den Kollegen in der Werkstatt zu „wir verschwinden jetzt einfach schnell durch die Tür nach Hause und lassen den Chef mit dem ganzen Scheiß allein!“ Stille. Zwei Kollegenaugenpaare mustern mich. „Nein, das machen wir nicht.“ entscheidet Kollege eins schließlich. „Wir nehmen den Chef mit – und lassen einfach nur den Scheiß hier allein.“ Ich hätte es nicht besser formulieren können.

 

Es grüßt Sie herzlich

 

Ihr Betriebsmädchen

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