Neulich in der Metzgerei

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Lust auf ein bisschen Insiderwissen?

Das Betriebsmädchen öffnet alle vier Wochen unsere blaue Tür und zeigt Ihnen die spannende, amüsante, manchmal herrlich skurrile Welt hinter dem Tresen. Wären wir eine VOX-Sendung, trügen wir möglicherweise den Titel          "Flöten - Fragen - Feilschen: Verkäufer am Limit"

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Das Betriebsmädchen öffnet alle vier Wochen unsere blaue Tür und zeigt Ihnen die spannende, amüsante, manchmal herrlich skurrile Welt hinter dem Tresen. Wären wir eine VOX-Sendung, trügen wir möglicherweise den Titel          "Flöten - Fragen - Feilschen: Verkäufer am Limit"

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Letzte Woche war es wieder einmal so weit: in ein paar ruhigen Momenten des frühen Metzgernachmittags konnte man sehr schön verfolgen, wie eine eigentlich ganz arglose Bemerkung eines Kollegen innerhalb weniger Sätze mustergültig außer Kontrolle geriet. Ein Szenario also, das fast täglich in unserer Werkstatt stattfindet - hier in Deutschland, mitten unter uns, unbemerkt von Millionen.
Letztens hatte ich einen Lauf. Und was für einen! „Ich suche eine gute Silberpolitur. Können Sie mir etwas empfehlen?“ Kurzer Griff ins Regal - viereinhalb informative Sätze – check. „Ich kriege nur noch quietschende Töne aus meinem Saxophon. Was mache ich denn jetzt?“ Beruhigendes Zuzwinkern – direkte Vermittlung an den Werkstattkollegen – check.
Erinnern Sie sich noch daran, wie Bugs Bunny, Tom & Jerry oder Road Runner damals aussahen, wenn Sie großes Erstaunen oder blankes Entsetzen ausdrücken wollten? Diese anatomisch unkorrekt weit hervorquellenden Augen und der offenstehende Mund, dessen Kinnlade mit einem feisten klapp auf den Boden fällt - wissen Sie noch?!
„So. Da haben wir's, das gute Stück.“ Na, haben Sie mich das auch schon einmal sagen hören? Sie dürfen ruhig ehrlich sein, denn machen wir uns nichts vor: wenn Sie Kunde in unserer Servicewerkstatt waren, ist die Wahrscheinlichkeit dafür ausgesprochen hoch. Es ist eine dieser Phrasen, die sich im Laufe eines Berufslebens nach und nach in die tägliche Routine eingeschlichen haben – oft ohne, dass man selbst davon Notiz nimmt.
Eigentlich bin ich ja ein ausgesprochener Familienmensch, so ganz privat. Beruflich allerdings bereitet mir allzu Familiäres oft Kopfzerbrechen - beispielsweise dann, wenn ich vor der heiklen Aufgabe stehe, Kunden vorsichtig zu korrigieren, die mir in Erinnerungen schwelgend erzählen, Sie hätten den alten Herrn Werner noch persönlich gekannt.
Offensichtlich führte mein vergangener blog über die besonderen, nennen wir es „geographischen Gegebenheiten“ unseres Geschäftes zu mittelschwerer Irritation unter unseren Kunden. Spürbar erleichtert darüber, dass er sowohl zunächst fehlerlos unser Geschäft gefunden als auch selbiges anschließend unfallfrei betreten hatte, wurde kürzlich ein Kunde mit seiner Trompete in unserer Werkstatt vorstellig.
Es begab sich eines Morgens im frühen Januar. Während die Welt draußen noch in winterlicher Dunkelheit schlummerte, hielten die Kollegen und ich bei unserer Ankunft in der Werkstatt ein kurzes Begrüßungsschwätzchen, als wir den Chef von oben aus seinem Büro die Treppe herunterkommen hörten. Unmittelbar hinter uns wartete er dann und lauschte den letzten Gesprächsfetzen, während wir gerade den Weg Richtung Mitarbeiterspind einschlugen.
2019 ist erst zarte fünf Tage alt und schon mag ich es ein bisschen weniger als das vergangene. Grund: unser 50. Jubiläumsjahr ist vorüber. Wie schade! Es war mir gerade erst so richtig ans Herz gewachsen, morgens bei Arbeitsantritt die Tür aufzureißen, ekstatisch „Paaaaarty“ zu grölen, gleich die Lichtorgel zu starten und dann direkt im Eingang schon total zu eskalieren.
Ist es Ihnen eigentlich noch nie merkwürdig vorgekommen, wenn ich hier Dinge schrieb wie "und als es klingelte" oder "da unterbrach mich plötzlich die Türklingel" ? Worauf ich hinaus will: fanden Sie es nie seltsam, dass man in einem Geschäft klingelnderweise um Einlass bitten muss, so wie es bei uns der Fall ist?
Haben Sie sich eigentlich schon damit beschäftigt, ob es sich heute überhaupt lohnt, das Haus zu verlassen? Besitzen Sie eine ungefähre Vorstellung davon, wie genau Ihr Tag dann aussehen wird? Kurz: wissen Sie schon, wie Ihre Sterne heute stehen? Nicht? Wir schon – vorausgesetzt, es ist bereits zwanzig nach zehn.
Als ich gestern im DB-Reisezentrum in einer von zwei Warteschlangen stand – in der langsameren von beiden, selbstredend – erinnerte ich mich an eine alte Studie, die besagte, dass am Ausgang eines Supermarktes befragte Kunden ihre Wartezeit an der Kasse deutlich länger einschätzten als sie tatsächlich gewesen war.
„... aber ich brauche die Klarinette unbedingt morgen abend für den Auftritt,“ flehte unsere Kundin noch hilflos in Richtung des abwägenden Werkstattkollegen, und fügte, bevor ich sie aufhalten konnte, hinzu „Ich mach' auch alles, alles, was Sie wollen.“ Dass solche Aussagen an gewöhnlichen Werktagen ein gefundenes Fressen für die Wortspielterroristen aus der Werkstatt sind, muss ich Ihnen als fleißige blog-Leser ja eigentlich nicht mehr erklären.
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