Neulich in der Metzgerei

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Lust auf ein bisschen Insiderwissen?

Das Betriebsmädchen öffnet alle zwei Wochen unsere blaue Tür und zeigt Ihnen die spannende, amüsante, manchmal herrlich skurrile Welt hinter dem Tresen. Wären wir eine VOX-Sendung, trügen wir möglicherweise den Titel          "Flöten - Fragen - Feilschen: Verkäufer am Limit"

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Das Betriebsmädchen öffnet alle zwei Wochen unsere blaue Tür und zeigt Ihnen die spannende, amüsante, manchmal herrlich skurrile Welt hinter dem Tresen. Wären wir eine VOX-Sendung, trügen wir möglicherweise den Titel          "Flöten - Fragen - Feilschen: Verkäufer am Limit"

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Seit gestern ziert meine Wade ein unübersehbarer, dunkler Fleck. Er ist etwa so groß wie ein Fünfmarkstück und, um mit den Worten meines Hautarztes zu sprechen, an den Rändern nicht scharf abgegrenzt. Seinen Farbton würde ich aktuell irgendwo zwischen blau und lila einordnen, wobei er schon jetzt verspricht, innerhalb der nächsten Tage nach und nach zu einer Art Leberschaden-Gelb zu verblassen.
Eigentlich hatte ich nur eine ganz profane Frage gestellt. Zuvor packte ich die letzten Ölflaschen der neuen Lieferung aus und fragte die Kollegen im Vorbeigehen „Kann ich diesen Karton jetzt wegwerfen?“ --- Pause. --- „Wir wissen net, ob du des kannst.“ kommt es von rechts. Grins. Darauf von links „Aber versuchen kannste's ja mal.“ Kicher. Na, spitze.
Ich geb's gleich zu: es war meine Schuld. Wie im Grunde genommen ja alles hier meine Schuld ist – denn „dafür haben wir ja schließlich ein Betriebsmädchen“ (Zitat Ende). Aufgewachsen mit zwei älteren Brüdern bin ich zwar eigentlich von jeher ganz groß darin, meiner zu Recht verärgerten Mutter noch während ich mit den Händen voller Matsch an der Terrassentür herumschmierte reflexartig „Ich war's nicht!“ zuzurufen, dennoch kann ich inzwischen ganz klar einsehen, wenn ich verloren habe. Wie auch in dem Moment, als der Chef vorgestern durch die Tür kam.
Heute gibt es Grund zum Feiern, jawoll! Ich lade Sie herzlich ein, mit mir unser einjähriges blog-Jubiläum zu begehen, denn vor genau dreiundzwanzig Einträgen habe ich im letzten September mit der Veröffentlichung unseres Betriebsblogs begonnen. Hätten Sie also eine handelsübliche Astsäge zur Hand und würden mich damit einmal quer zerteilen, zählten Sie exakt einen Jahresring. Juhu!!
Seien Sie ruhig ehrlich: auch Sie haben sicher schon einmal unsere Tür geöffnet und sind angesichts des unvermittelt auf Sie einströmenden Geruchs entsetzt zurückgeprallt. Jahaaa... der klassische Werkstattmief! Man könnte nun zu unserer Verteidigung vorbringen, die allgemein vorherrschende Geruchsnote ändere sich in Abhängigkeit der Materialien, die bearbeitet werden...
Ich möchte Sie gleich zu Beginn vorwarnen: möglich, dass im blog von heute vor allen Dingen eins getan wird - genörgelt, genöhlt, gemeckert und sich beschwert. Wir bemühen uns ja sonst sehr um Diplomatie, damit wir möglichst jeder Facette unseres oft so erstaunlichen Berufes und seiner täglichen Statisten gerecht werden, aber heute sind wir mal ganz offen politisch unkorrekt. Der Grund: PTBS.
„Huch!" entfährt es meinem Kunden, einem engagierten Familienvater, unmittelbar nach seinem letzten Satz. Entschuldigendes Lächeln. "Das nehme ich sofort zurück. Hab' ich nie gesagt..." Bevor ich fragen kann, was diesen plötzlichen Sinneswandel hervorgerufen haben könnte, bekomme ich die Antwort bereits serviert: "… sonst schreiben Sie das noch in Ihren blog." Aha! Daher weht der Wind.
Haben Sie sich eigentlich schon einmal mit Ihrem Karma beschäftigt? Und wenn ja: sind Sie wirklich zweifelsfrei davon überzeugt, dass da alles in Ordnung ist? Sollten vielleicht doch noch Fragen offen sein, könnte ein Besuch in unserer Werkstatt nicht schaden – unser ohnehin schon wohlverdienter Instrumentenmacher hat nämlich noch ganz andere, verborgene Talente:
Zwar ahne ich, dass ich mich mit diesem blog in sehr heißen Socken auf extrem dünnes Eis begebe, kann mich nach der Erfahrung von gestern allerdings dennoch nicht zurückhalten, Ihnen mein Leid zu klagen. "Unser Geschäft ist in der Hausmannstraße vierzehn." antworte ich meiner Kundin am Telefon. Rückfrage der Dame: "Wo?" - "Hausmannstraße vierzehn!" - "Welche Nummer?" - "Vierzehn!!" - Pause. Dann: "Ahh, föhrzehn." - hmpf.
Während eines sehr, sehr ermüdenden Telefonates mit einem aufgeregten Kunden, der einen sehr, sehr ermüdenden Monolog in sehr, sehr ermüdender Geschwindigkeit hielt, fiel er mir wieder ein: Kollege Schöpper
Als ich heute auf den Kalender schaute, packte mich doch glatt das kalte Grausen: nur noch zwölf Tage bis zum Ferienbeginn... aaaargh! Sie, liebe Leser, verbinden Ferien sicher mit solch schönen Dingen wie Urlaub, Freizeit, Zoobesuchen mit den Kindern, viel zu viel Grillen und spitzenmäßig lange Schlafen – wundervoll! Für uns hingegen ist der Sommer die arbeitsreichste Zeit im Jahr, denn wir warten und reparieren in den Ferien hunderte Blasinstrumente der weiterführenden Schulen aus Hannover und dem Umland.
„Sagen Sie,... " beginnt der Kunde auf der anderen Seite der Verkaufstheke, während ich die Rechnung für seine neue Trompete zusammenfalte, " - wer ist eigentlich dieses Betriebsmädchen?" Ein fragendes Augenpaar mustert mich, und ich halte kurz inne.
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